Pflanzenpapiere

Mein bester Weg zu den Kräutern geht über das Schöpfen von Papier. Dabei werden bestimmte Teile der Pflanze zerkleinert, gekocht und anschließend mit dem Mixer noch weiter zerkleinert. Dieser Brei wird entweder pur oder vermischt mit ca. 50 % Brei aus Altpapier zu Papier geschöpft und gepresst. Der Geruch der Pflanze in den verschiedenen Stadien, vom Kochen bis zum Trocknen, und wie sich das ganze anfühlt, welche Struktur sich für das Papier ergibt, ist bei jeder Pflanze etwas anders und sie wird einem durch diesen Prozess nahe und vertraut. Das schönste ist, man kann immer das verwelkte Laub nehmen, oder Blätter, die man eh nicht essen würde. So wird so gut wie keine Resource verschwendet, außer des benötigten Wassers.

Hier werden demnächst verschiedene Pflanzen vorgestellt und das Papier, das daraus geworden ist.

Riesenbärenklau

Man stelle sich Goethe vor, der in seinem Garten ein Podest hat bauen lassen, damit er hochsteigen kann und die Blüte des Riesenbärenklaus zu betrachten. Damals war diese heute so gefürchtete Pflanze sehr begehrt. Der russische Zar hatte sie deshalb einst als willkommenes Gastgeschenk mitgebracht: Eine große Vase voller Bärenklau-Samen hat er dem Fürsten Metternich überbracht. Und so gelangte der Riesenbärenklau in viele Gärten als Zierpflanze oder wurde für die Jagd zur Deckung gepflanzt.

Der Riesenbärenklau ist in der Tat eine sehr beachtenswerte Pflanze, und man muss sehr gut aufpassen bei ihr, denn jede Berührung kann aufgrund ihrer phototoxischen Eigenschaft in Verbindung mit Sonnenlicht zu massiven Verbrennungen führen. Sie ist dennoch sehr majestätisch und es ist beeindruckend wie schnell und hoch sie wachsen kann und welch große Blätter und Blüten da am Waldrand erstehen. Im vergangenen Sommer habe ich mit Schutzkleidung ausgerüstet die Blüten und Stängel von ein paar Exemplaren abgetragen und getrocknet. Aus dem größten Teil des Krauts habe ich Papier geschöpft, welches wunderschön geworden ist.